Universität Oldenburg Wörterbuch der deutschen Lehnwörter in der polnischen Schrift- und Standardsprache BKGE

Inhalt

Zur Einführung

Die historischen Kontakte zwischen Deutschen und Polen erstrecken sich über mehr als ein Jahrtausend. Polnische und deutsche Philologen feierten im Jahre 2000 ein entsprechendes “Millennium” und hinterließen einen Band (Grucza 2001) mit einer Fülle von Aufsätzen, die diesen Kontakten bzw. ihren Niederschlägen in Sprache und Literatur gewidmet sind[1]. Das vorliegende Wörterbuch will widerspiegeln, welche Spuren dieser Kontakt im Laufe der Zeit im Wortschatz des Polnischen in der Form von deutschen Lehnwörtern hinterlassen hat.

Zwei Präzisierungen sind bereits an dieser Stelle erforderlich: Erstens, es geht hier um Lehnwörter im engeren Sinne, also nicht Lehnübersetzungen, Lehnübertragungen oder andere Formen von Entlehnungen in der Lexik des Polnischen. Zweitens, es geht hier nur um die Varietät des Polnischen, die man als Standardsprache oder in historischen Zeiten des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit als Schriftsprache bezeichnen kann. In der polnischen Philologie spricht man vom “Kulturpolnischen” (polszczyzna kulturalna; vgl. Vincenz 1987a, 98). Würden areale Subvarietäten (“alte” Dialekte und “moderne” Stadtdialekte) und sog. Fachsprachen des gesamten arealen und fachspezifischen Spektrums des polnischen Wortschatzes einbezogen, so wären die anfallenden Zahlen deutscher Lehnwörter im Polnischen sicherlich viel größer: Man denke z.B. an polnisch-schlesische Mundarten oder andere Subvarietäten Schlesiens, an die Fachsprachen des Handwerks oder die im 19. Jahrhundert im Kontext der Industrialisierung entstandenen Fachsprachen einzelner Wirtschaftszweige und Interessengebiete (vgl. Pajewska 2003 zum Forstwesen; Lipczuk 1999 zur Sportterminologie, Kątny 1999, 2004 zu “Sondersprachen”). Mit den gegebenen Mitteln wäre eine systematische Auswertung allerdings nicht möglich gewesen.

Im Einzelfall ist es natürlich schwierig zu entscheiden, ob ein Wort zur Standardsprache[2] gehört. Für die Auswahl wird ein formales Kriterium herangezogen: Ein lexikalisches Element muss in einem von mehreren einschlägigen allgemeinen Wörterbüchern des Polnischen als Lemma berücksichtigt werden. Dieser “Kanon” der ausgewerteten polnischen Lexikographie besteht aus folgenden Wörterbüchern: für die altpolnische Zeit der Słownik staropolski (Stp), für das 16. Jahrhundert der Słownik języka polskiego XVI wieku (Spxvi) sowie – gesondert – das zeitgenössische Wörterbuch von Jan Mączyński (Lexicon Latino-Polonicum ex optimis Latinae linguae scriptoribus concinatum; Mącz), für das 17. und 18. Jahrhundert die Wörterbücher von Cnappius (Thesaurus Polono-Latino-Graecus; Cn), Trotz (Nowy dykcyonarz to iest mownik polsko-niemiecko-francuski; Tr), Linde (Słownik języka polskiego; L) und der Słownik języka polskiego XVII i pierwszej połowy XVIII wieku (Sp17), für das 19. Jahrhundert die üblicherweise “Słownik wileński” (Swil) und “Słownik Warszawski” (Sw) genannten Wörterbücher sowie für das 20. Jahrhundert die Werke von Tadeusz Lehr-Spławiński (Lsp) und Witold Doroszewski (Dor)[3], die ebenfalls alle den Titel Słownik języka polskiego tragen. Es ist klar, dass dieses Kriterium nur an einem “tendenziellen Symptom” der Standardsprachlichkeit festgemacht ist, aber eben an einem relativ aussagekräftigen: die lemmatische Präsenz in einem für eine gegebene Epoche einschlägigen historischen oder zeitgenössischen Wörterbuch. “Rein” dialektale oder “rein” fachsprachliche deutsche Lehnwörter bleiben somit “tendenziell” ausgeschlossen.

Da ein Ziel des vorliegenden Wörterbuchs ist, die Geschichte der deutschen Lehnwörter im Polnischen zu umreißen, und zwar unabhängig davon, ob sie heute noch im Gebrauch sind oder nicht[4], macht es sich die umfangreiche Quellenauswertung der genannten Wörterbücher zu Nutze und ergänzt sie dort, wo nötig. Eine Quellenerschließung, wie sie von der polnischen Polonistik z.B. im 20. Jahrhundert für die vielbändigen Wörterbücher Stp, Spxvi, Sp17 und Dor realisiert wurde, überschreitet die personellen Ressourcen, die für das vorliegende Wörterbuch gegeben waren, sicher um mehr als das Hundertfache. In keinem dieser Wörterbücher werden die Lehnwörter jedoch als solche beschrieben. Im besten Fall steht ein Hinweis auf einen deutschen Ursprung (mit verschiedenen Inkonsistenzen, s.u.) – so z.B. in Dor – oder es wird gar keine Information über die deutsche Herkunft gegeben wie in den drei großen historischen Wörterbüchern Stp, Spxvi, Sp17. Die “etymologisierenden” Vorarbeiten zu Lehnwörtern sind in der allgemeinen polnischen Lexikographie also relativ gering; die dort gelegentlich anzutreffenden, mitunter auch widersprüchlichen Angaben wurden kritisch ausgewertet und mussten fast durchgehend durch eigene etymologische Analysen ergänzt werden.

Nicht zu übersehen ist natürlich der Bestand einzelsprachlicher etymologischer Wörterbücher zum Polnischen: Neben dem älteren, inzwischen in Teilen überholten Werk von Aleksander Brückner (1927) ist es das vielbändig konzipierte etymologische Wörterbuch von Franciszek Sławski (1952-1982), welches das hohe Niveau der polnischen etymologischen Studien begründete. Letzteres wurde systematisch für das WDLP ausgewertet, wobei zu Beginn der Arbeiten am vorliegenden Wörterbuch nicht abzusehen war, dass Sławskis etymologisches Wörterbuch unvollendet bleiben sollte. Eines der jüngeren etymologischen Wörterbücher des Polnischen (das ebenfalls nicht vollständig veröffentlichte Werk von Bańkowski 2000) behandelt deutsche Lehnwörter, wenn auch wortgeschichtlich knapp und ohne das Maß an Vollständigkeit des WDLP; ein anderes (Boryś 2005) beschränkt sich im wesentlichen auf ererbten Wortschatz.

Der im WDLP ausgewertete Bestand der deutschen Lehnwörter im Polnischen stützt sich also zunächst auf die oben erwähnten zeitgenössischen und sprachgeschichtlichen Wörterbücher, die den “Kanon” des exzerpierten Materials bilden. Was die zeitgenössischen lexikographischen Werke betrifft, so sind das für die Zeit bis zum 18. Jahrhundert mehrsprachige, nach dem frühen Standardwerk von Linde (L) aber nur noch einsprachige Wörterbücher. Dabei handelt es sich auch um mitunter schwer zugängliche, nicht wieder edierte (Cn, Tr) oder erst seit kurzem im Internet zugängliche historische Werke (z.B. die nicht nachgedruckte Erstauflage des wichtigen Wörterbuchs von S. B. Linde 1806-14, L). Ergänzt werden diese durch die im 20. Jahrhundert begonnenen sprachgeschichtlichen Monumentalwerke zu einzelnen Perioden des Polnischen, Stp, Spxvi, Sp17, zu deren noch unveröffentlichten Teilen die Karteien konsultiert werden konnten, sowie der – wie schon erwähnt – unvollendete Słownik etymologiczny języka polskiego von Franciszek Sławski (Sła). Weiter wurden die Wörterbücher zur Sprache einzelner Schriftsteller als Exzerptionsmaterial herangezogen, so Adam Mickiewicz (Słownik języka Adama Mickiewicza; Sjam) und Jan Chryzostom Pasek (Słownik języka Jana Chryzostoma Paska; SłPas), aber auch Wacław Potocki (Alexander Brückner: Język Wacława Potockiego. Przyczynek do historii języka polskiego; BrücknerPotocki). Letztere gehen jedoch nicht in den Bestand der kanonischen Wörterbücher ein. In Einzelfällen waren weitere Wörterbücher mitunter umfänglich zu konsultieren, z.B. der Słownik staropolskich nazw osobowych (Ssno) für Namenmaterial des Altpolnischen, Enzyklopädien des 19. Jahrhunderts und der Zwischenkriegszeit (mit den Kürzeln EncOrg, EncLw, EncGut), die Wörterbücher aus dem Verlag M. Arct (Spa 1916, 1929), die Untersuchungen des Warschauer Dialekts von Bronisław Wieczorkiewicz (Słownik gwary warszawskiej XIX w. – Wiecz; Gwara warszawska dawniej i dziś – WieczGwara) sowie Fremd- oder Fachwörterbücher. Für den publizistischen Wortschatz des 19. Jahrhunderts hat Bogusław Nowowiejski die Kartei seiner Monographie Zapożyczenia leksykalne z języka niemieckiego w polszczyźnie XIX wieku (Białystok 1996) zugänglich gemacht.

Daneben konnten aber auch eigene Exzerpierungen vorgenommen werden, die sich auf solche Epochen der polnischen Sprachgeschichte konzentrieren, die bislang weniger intensiv erforscht worden sind. Dabei handelt es sich zunächst um ein umfassendes Korpus von Texten des 17. und 18. Jahrhunderts, das vor allem in späteren Editionen, teils aber auch anhand von Altdrucken ausgewertet wurde. Ein größerer Teil dieser für das WDLP digitalisierten Texte wird zur Zeit im Rahmen eines historischen Korpusprojekts von Roland Meyer an der Universität Regensburg zugänglich gemacht. Unabhängig davon wurden die Aufzeichnungen von Jędrzej Kitowicz als sprachliche Denkmäler der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts (Opis obyczajów za panowania Augusta III. – Kit.Opis; Pamiętniki czyli Historia Polska - Kit.Pam.) und von Antoni Magier für das frühe 19. Jahrhundert ausgewertet (Estetyka miasta stołecznego Warszawy – Magier). Schließlich hat Andrzej de Vincenz seine über Jahrzehnte aufgebaute umfassende Lehnwortkartei aus eigenen Exzerpten ins WDLP eingebracht. Sie konnte viele Einzelbelege – darunter erste Belege und letzte – zu andernorts schlecht dokumentierten lexikalischen Einheiten beisteuern. Im Ergebnis umfasst das Quellenverzeichnis zum WDLP umfangreiches literarisches Material, das über den Bestand des lexikographischen Kanons weit hinausreicht.

Was sind deutsche Lehnwörter im Polnischen?

Eine traditionelle Unterscheidung in der Lehnwortforschung ist die der Nah- und Fernentlehnung. Diese Unterscheidung ist eher informell und hebt meist ab auf die Frage, ob “entlehnende” Sprachgemeinschaft und “gebende” direkt benachbart sind oder nicht. Polen und Deutsche oder besser polnisches und deutsches Sprachgebiet waren und sind natürlich “irgendwie” direkt benachbart, partiell sogar miteinander verflochten, was sich mitunter als wiederholte Adaption an eigene Muster und Wiederangleichung an das fremde Vorbild in einzelnen Wortgeschichten der Lehnwörter veranschaulichen lässt (vgl. Vincenz 1986). Jedoch sind vom Süden des deutschen Sprachgebiets betrachtet die Tschechen in dieses für sprachliche Entlehnungen relevante Nachbarschaftsverhältnis eingebunden. Angesichts von unterschiedlichen Formen der Ost-West- und West-Ost-Migration, die es vom Mittelalter bis in die Gegenwart gegeben hat, und verschiedener Wirkungsmöglichkeiten in Lehnprozessen von Medien (i.w.S.) nicht erst in der Neuzeit ist die direkte areale Nachbarschaft nicht unbedingt ausschlaggebend. Die entscheidende Frage in diesem Kontext wäre daher besser so zu stellen, ob ein Lehnwort direkt von Sprache A (z.B. Deutsch) in Sprache B (z.B. Polnisch) übergegangen ist oder von einer anderen Sprache R (z.B. Tschechisch) “vermittelt” wurde. Entsprechend kann ein Lehnwort aus A in B unterschiedlich weit definiert werden, wie die nachfolgende Tabelle illustriert:


Vier prinzipielle Wege der Entlehnung
I     A     B
II     A R B
III Q A     B
IV Q A R B


Die Entlehnungswege I und III kennzeichnet das Kriterium der direkten Entlehnung von A nach B, die ohne Zweifel in der Menge als das entscheidende Indiz für Grad und Umfang des Sprach- und Kulturkontakts zwischen den Sprachgemeinschaften von A und B anzusehen ist. Die Wege II und IV stehen für die vermittelte Entlehnung von A nach B über R. Neben dem schon erwähnten Tschechischen, das die Rolle von R bis um das Jahr 1620 (das Jahr der “Schlacht am Weißen Berg”, wonach ein nahezu zweihundertjähriger Niedergang der böhmischen Unabhängigkeit und der soziopolitischen und kulturellen Bedeutung der böhmisch-tschechischen Sprache einsetzte) umfänglich ausübte (vgl. zu Bohemismen im Polnischen Basaj & Siatkowski 2006), ist besonders das Russische ab Ende des 18. Jahrhunderts zu nennen, als das Zarenreich, Preußen und Österreich-Ungarn sich das polnische Staats- und Sprachgebiet anteilig einverleibt hatten, was durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses anschließend stark zugunsten des russischen Anteils verschoben wurde. Die Wege I und II haben gemein, dass dies Entlehnungen sind, die ihren etymologischen Ausgangspunkt in A bzw. einer historischen Vorstufe von A (im Sinne des sog. Stammbaummodells) haben, während die Lehnwörter im Falle der Wege III und IV in A selbst aus einer anderen Sprache Q übernommen sind. Q steht beim deutsch-polnischen Sprachkontakt zum einen häufig für das Latein sowie zum anderen ähnlich häufig für romanische Sprachen wie vor allem Italienisch und Französisch (zu letzteren vgl. Walsleben 1997, Borejszo 2007), für welche das Deutsche häufig Vermittler der Entlehnungen im Polnischen war. Insgesamt heißt das, dass bei den Wegen II bis IV das Moment der Vermittlung im Spiel ist: In II ist die Vermittlung in Bezug auf A passiv (Lexeme aus A werden von R an B vermittelt), in III aktiv (A vermittelt Lexeme aus Q an B) und in IV aktiv und passiv. Der Weg I ist derjenige, in dem das Moment der Vermittlung überhaupt keine Rolle spielt. Insofern sind die Lehnwörter, die diesen Weg gegangen sind, die klarsten oder die “prototypischen” Fälle von Lehnwörtern aus A in B, also in unserem Fall der deutschen Lehnwörter im Polnischen. Auf eben diese konzentriert sich das WDLP. Während viele Abhandlungen zu deutschen Lehnwörtern im Polnischen auch die vermittelten Lehnwörter berücksichtigen (z.B. Karszniewicz-Mazur 1988), soll im WDLP eine Auswahl der auf direktem Wege ins Polnische eingegangenen deutschen Lehnwörter versucht werden.

Obschon die Rolle des Deutschen als Vermittler westlichen Wortguts an das Polnische eminent ist (vgl. Vincenz 1992), bleiben solche deutschen Lehnwörter im Polnischen, die im Deutschen keine einheimische Etymologie haben, hier also unberücksichtigt. Im Fall einzelner Lehnwörter ist die Entscheidung darüber, ob es ein direkt entlehntes deutsches Lehnwort oder ein z.B. vom Tschechischen vermitteltes ist, nicht immer einfach. Das WDLP verfährt nach dem Prinzip “in dubio pro reo” und berücksichtigt ein Lehnwort, wenn seine direkte Entlehnung zumindest in einer von ggf. mehreren Ausdruck-Inhalt-Relationen nicht auszuschließen ist (vgl. die Diskussion zu diesen Phänomenen anhand zahlreicher Beispiele in Eggers & Hentschel 1987[5]; s. auch Skibicki 1979). Der Ausschluss aktiv durch das Deutsche vermittelter Lehnwörter ist in Hinsicht auf eine umfassende Beschreibung der direkten deutsch-polnischen Lehnbeziehungen besonders in solchen Fällen des Weges III nicht befriedigend, wenn das Deutsche im Sinne des Trubetzkoy’schen Filters (bzw. seiner Auswirkungen in der diachronen Adaption von “fremden Elementen” in der aufnehmenden Sprache) nicht nur die Ausdrucksseite, sondern auch die Inhaltsseite stark geprägt hat: so geht das poln. czynsz ‘Miete’ direkt auf dt. Zins – und zwar im Sinne von Mietzins – zurück, das wiederum auf lat. census mit Bedeutungen wie ‘Steuerschätzung, Steuerliste, Vermögenssteuer’, später auch ‘Grundsteuer’. Der Einfluss des Deutschen ist also deutlich sowohl auf der Ausdrucks- als auch auf der Inhaltsebene. Im WDLP blieben solche Lehnwörter des Weges III trotz allgemeinen Interesses für die Erforschung der direkten Kontakte nicht zuletzt auch aus praktisch-ökonomischen Gründen ausgeschlossen. Für die hier versuchte Analyse sind die Lehnwörter des Weges I die zentralen Indikatoren.

Zur Qualität der deutsch-polnischen Lehnbeziehungen im Spiegel des Wortschatzes

Das WDLP bietet mit den hier erfassten Belegzusammenhängen einen umfassenden chronologischen Überblick über die Wortgeschichte der einzelnen deutschen Lehnwörter im Polnischen. Sowohl ihre formalen Entwicklungen (lautliche und morphologische Adaption) als auch mögliche inhaltliche Veränderungen werden in den jeweiligen Lemmata präsentiert. Dabei geht das gesammelte philologische Material weit über das der einschlägigen Monographie Karszniewicz-Mazur (1988) hinaus. Detaillierte Wortgeschichten unter Berücksichtigung von Beziehungen zu anderen entlehnten oder nicht-entlehnten Lexemen des Polnischen vorzulegen, kann nicht die Aufgabe eines Wörterbuchs wie des vorliegenden sein. Das muss weiteren historisch-lexikalischen Untersuchungen überlassen werden. Schließlich ist die von Vincenz (1987b) angeregte Analyse der Entlehnungen in einzelnen Sinnbezirken des Wortschatzes bislang weithin Desiderat geblieben. Doch bereits die numerische Auswertung des Materials im WDLP erlaubt Rückschlüsse auf die historische Entwicklung des deutsch-polnischen Sprachkontakts. Diese sollen hier zusammenfassend dargestellt werden, wiederum ohne auf Einzelheiten einzugehen (vgl. Hentschel 1995, 2001a, 2001b, Hentschel / Menzel 2001). Insbesondere lassen sich verschiedene Phasen intensiver und extensiver Lehnbeziehungen unterscheiden (Hentschel 2009). Unter “Extensität” soll der Umfang, die Quantität von Neuentlehnungen in bestimmten Zeiträumen verstanden werden, unter Intensität die Nachhaltigkeit der lexikalischen Beeinflussung des Polnischen seitens des Deutschen. Letzteres kann daran gemessen werden, wie lange diese Lehnwörter im Polnischen im Gebrauch blieben.

Aufgrund unterschiedlicher quantitativer Verhältnisse der deutschen Lehnwörter lässt sich die Gesamtspanne des deutsch-polnischen Lehnkontakts in drei deutlich konturierte Phasen gliedern: (A) von den Anfängen des polnischen Schrifttums im 13. / 14. Jahrhundert[6] bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts, (B) vom Beginn des 17. Jahrhunderts bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, (C) vom Ende des 18. Jahrhunderts bis Mitte des 20. Jahrhunderts (entsprechend der bereits erwähnten Grenze der Materialaufnahme des WDLP). Offensichtlich korrelieren diese Phasen bzw. ihre zeitlichen Grenzen mit anderen bekannten Periodisierungen: Im späteren Mittelalter des 13. und 14. Jahrhunderts (im Rahmen der sog. mittelalterlichen Ostkolonisation) und zu Beginn der frühen Neuzeit kam es zu quantitativ erheblichen Migrationsbewegungen deutschsprachiger Bevölkerung in das Gebiet Polens, die nachfolgend integriert und oft auch sprachlich assimiliert wurde (vgl. Hoensch 1990, Rogall 1996, Samsonowicz 2002). Nicht zuletzt im Zusammenhang mit der Verbreitung des Buchdrucks hielt der Zuzug von Deutschen nach Polen im 16. Jahrhundert an, was für die Schriftsprache von besonderer Bedeutung ist. Die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert – Perioden (A) vs. (B) – entspricht dem Ende des “Goldenen Zeitalters” der polnischen Renaissancekultur. Die nachfolgende Phase (B) umfasst einen Zeitraum, der vielfach als Epoche von Stagnation und soziokulturellem Niedergang des Polnischen beschrieben wird (Klemensiewicz 1999, 216). Die Entlehnungsdynamik nimmt in dieser Zeit deutlich ab. Das Ende des 18. Jahrhunderts – (B) vs. (C) – ist natürlich die Zeit der polnischen Teilungen, nach der – wenn auch mit “vermindernden” Verschiebungen nach dem Wiener Kongress 1815 – weite Teile Polens unter die Hoheit zweier deutschsprachiger Staaten gerieten.

Es sind aber nicht direkt diese historischen bzw. kulturhistorischen Daten, welche die Periodisierung der deutsch-polnischen Lehnkontakte in drei Phasen bedingen, sondern vorrangig quantitative Aspekte des deutschen Lehnworts, die natürlich mit den genannten außersprachlichen Phänomenen korrelieren: Sowohl in der ersten Phase (A) als auch in der letzten Phase (C) ist die Zahl der vom Polnischen aus dem Deutschen aufgenommenen Lehnwörter sehr hoch. In der mittleren Phase ist ihre Anzahl dagegen relativ gering. Phase (B) ist zweifellos eine Zeit schwacher Extensität der deutsch-polnischen Lehnbeziehungen. Vgl. die folgende Tabelle (Hentschel 2009, 163):


Graphik 1: Anteil an Eingängen (Neuentlehnungen) in den drei Epochen; Gesamtzahl n = 2.444


Die externen Gründe für dieses Verhältnis liegen auf der Hand und wurden oben auch schon angedeutet: Die Kontakte zwischen breiten deutschsprachigen und polnischsprachigen Bevölkerungsschichten waren in der Frühphase (A) und der Spätphase (C) wesentlich ausgeprägter als in der mittleren Phase (B). Die frühe und die späte Phase (A, C) waren aus offensichtlichen historischen Gründen Zeiten extensiveren Kontakts, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Zahl der Lehnwörter.

Neben den prinzipiellen Gemeinsamkeiten lassen sich zwischen der Frühphase (A) des deutsch-polnischen Lehnkontakts und der Spätphase (C) auch gravierende Unterschiede hervorheben. Hier ist die Frage der “Nachhaltigkeit” von Lehnkontakten zu stellen, die auf die Untersuchung der “Lebensdauer” deutscher Lehnwörter im Polnischen abstellt: Ein großer Teil der neuen Lehnwörter des 19. Jahrhunderts (auch des frühen 20. Jahrhunderts) hat trotz des möglichen Nachweises in der zeitgenössischen Literatur bzw. in der zeitgenössischen polnischen Lexikographie einen nur episodischen Charakter. D. h., diese Lehnwörter tauchen im 19. Jahrhundert auf und verschwinden auch relativ rasch wieder – zumindest was die Hoch- bzw. Literatursprache betrifft. Da sprachpuristische Tendenzen in Polen bekanntlich nur beschränkt wirksam waren (vgl. Thomas 1991, 158, 212; Lipczuk 2007, 149), belegt das die nur oberflächliche bzw. periphere Integration vieler der zahlreichen Neuentlehnungen des 19. Jahrhunderts (vgl. auch Hentschel & Menzel 2001, 201ff). Im Folgenden wird eine wenn auch arbiträre, so doch explizite Abgrenzung “schlecht” belegter von “gut” belegten Lehnwörtern vorgenommen. Ein Lehnwort der letztgenannten Kategorie muss per definitionem die folgenden Kriterien erfüllen:

 

  1. Es muss über Belege i. e. S. und nicht nur über Buchungen in zeitgenössischen Wörterbüchern verfügen.
  2. Es muss mehr als ein solcher Beleg gegeben sein.
  3. Es müssen Belege aus mehr als nur einer Quelle vorliegen.
  4. Im Falle des Ausscheidens eines Lehnworts aus dem Sprachgebrauch muss zwischen dem Erstbeleg und dem Letztbeleg eine Spanne von mindestens 50 Jahren liegen.

 

Bei einer Gesamtmenge von 2444 Lehnwörtern, die für das Polnische im Laufe seiner Geschichte im WDLP ausgewertet wurden, macht der Anteil der schlecht belegten Lehnwörter ca. 900 aus. Hiervon entfallen ca. drei Viertel auf diejenigen Lehnwörter, die nach 1780 aufgekommen sind. Im 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts findet sich also eine große Menge kurzlebiger deutscher Lehnwörter (vgl. auch Buttler 1988, 52)[7]. In dieser Phase übersteigt die Zahl der schlecht belegten Lehnwörter sogar diejenige der gut belegten, während in den vorhergehenden Perioden der Anteil besser belegter Lehnwörter bei weitem überwiegt. Graphik 2 (nach Hentschel 2009, 165) verdeutlicht das Verhältnis etablierter und mehr oder weniger “okkasioneller” Entlehnungen in den einzelnen Perioden: 


Graphik 2: Das Verhältnis zwischen Eingängen in der Folgezeit “schlecht” und “besser” belegter Lehnwörter in den drei Perioden


In der folgenden Auswertung sind die “schlecht” belegten Lehnwörter ausgespart. Es ergibt sich, dass die Mehrzahl der verbleibenden, “gut” belegten deutschen Lehnwörter bereits in Frühphase (A) ins Polnische gelangt ist. Somit kehrt sich das Verhältnis aus Graphik 1 um: Während der Anteil der mittleren Phase (B) in beiden Kalkulationen relativ konstant bei ca. einem Sechstel liegt, stammen zwar nur 37 Prozent aller Lehnwörter aus der frühen Phase (A), aber 49 Prozent der besser belegten; die Spätphase (C) steuert insgesamt 51 Prozent aller Lehnwörter bei, jedoch nur 36 Prozent der besser belegten. Vgl. (nach Hentschel 2009, 166):


Graphik 3: Anteil an Eingängen von in der Folgezeit “besser” belegten Lehnwörtern in den drei Perioden;
n = 1.541


Durch die (definitorisch-dichotomische) Unterscheidung zwischen “besser” und “schlechter” belegten Lehnwörtern werden bereits Daten über die Intensität des Lehnverhältnisses in die Betrachtung einbezogen. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Bedeutung der frühen Kontaktphase (A) doch größer, als es zunächst bei der Untersuchung des gesamten Lehnwortmaterials den Anschein hatte. Zu berücksichtigen ist weiterhin, dass die Frühphase (A) länger ist als die Spätphase (C). Um das auszugleichen, wird in Graphik 4 (nach Hentschel 2009, 166) die durchschnittliche Zahl der Eingänge von Lehnwörtern pro Jahrzehnt berechnet. Diese hat im Alt- und Mittelpolnischen der Phase (A) bereits das Niveau, das sie im Neupolnischen der Phase (C) wieder erreicht.


Graphik 4: Durchschnittliche Zahl der Eingänge von in der Folgezeit “besser” belegten Lehnwörtern in den drei Perioden pro Jahrzehnt


Bei Beschränkung auf die “gut” belegten Lehnwörter wird erkennbar, dass die Rate der Neuentlehnungen in der frühen und in der späten Phase (A, C) gleich hoch ist, während sie in der mittleren Phase (B) deutlich niedriger liegt. Die große Extensität der Spätphase (C) wird durch die Einbeziehung von Daten zur Intensität des Lehnkontakts deutlich relativiert. Bei dieser Betrachtungsweise erreicht der deutsch-polnische Sprachkontakt in seiner Früh- und Spätphase ein vergleichbares qualitatives Niveau.

Auch Daten zum Ausgang von Lehnwörtern aus dem Polnischen lassen sich dem Material des WDLP entnehmen. Sie bestätigen, dass die spätere Phase (C) trotz der numerisch großen Zahl von gebuchten Lehnwörtern eine Zeit vergleichsweise geringer Intensität des deutsch-polnischen Sprachkontakts ist. Abgesehen von den nur kurzlebigen deutschen Lehnwörtern des 19. Jahrhunderts ist nämlich für das 19. bzw. den Anfang des 20. Jahrhunderts in nicht unerheblichem Maße ein Ausscheiden älterer Lehnwörter aus der polnischen Literatursprache zu verzeichnen. In dieser Zeit sind insgesamt um die 300 zuvor “besser” belegte (neue oder alte) Lehnwörter obsolet geworden. Davon stammt ein beträchtlicher Teil aus der Zeit vor 1620, also aus der Frühphase des Lehnkontakts (Hentschel 2001b)[8]. Im Vergleich der drei Epochen zeigt sich, dass in der späten Phase (C) vergleichsweise mehr deutsche Lehnwörter aus dem Sprachgebrauch des Polnischen ausgeschieden sind als in den vorhergehenden Jahrhunderten. Allenfalls ergibt sich eine Ähnlichkeit zur mittleren Phase (B); vgl. Hentschel (2009, 168):


Graphik 5: Das Verhältnis zwischen Eingängen und Ausgängen von in der Folgezeit “besser” belegten Lehnwörtern in den drei Perioden


Während in der Frühphase grob ein Ausgang (ein Schwund) eines Lehnworts auf zehn Eingänge kommt, ist das Verhältnis in der mittleren Phase ca. eins zu drei, in der Spätphase ca. eins zu zwei. Der Abstand zwischen der Zahl von Eingängen und Ausgängen deutscher Lehnwörter wird in der Sprachgeschichte des Polnischen also zunehmend geringer, mit einem deutlichen Bruch zwischen der frühen Phase (A) und den beiden späten (B, C). Zu einem Teil dürften die in Graphik 5 illustrierten quantitativen Tendenzen auf allgemeinen, nicht lehnwortspezifischen Entwicklungen beruhen: Je älter ein Wort, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit seines Schwundes. Es geht also um einen Effekt, den man “Alterungsschwund” nennen könnte. Er kann bedingt sein durch Schwund der bezeichneten Realie bzw. der Relevanz des Denotats in der Sprachgemeinschaft, durch Schwund aufgrund von “modebedingter” Verdrängung etc. (vgl. Hentschel & Menzel 2001). In das 19. und frühe 20. Jahrhundert fallen aber auch Bestrebungen, Lehnwörter aus puristischen Gründen zu vermeiden: Sie haben oftmals zur Etablierung von Lehnprägungen geführt, die das fremde Vorbild mit morphologischem Material des Polnischen nachbilden (vgl. Vincenz 1991). All diese Faktoren sind schwer abzugrenzen. Ein weiterer Hinweis auf die stärkere Nachhaltigkeit der Entlehnungen aus den beiden frühen Phasen (A, B) besteht schließlich im Folgenden: Konzentrieren wir uns auf die im Sinne der hier verwendeten Definition “besser” belegten Lehnwörter, so erreichen jeweils ca. 90 Prozent von diesen frühen Lehnwörtern ein “Lebensalter” (Zeitspanne zwischen erstem Beleg und letztem bzw. heute) von über 100 Jahren. In der späten Phase (C) ist das nur bei etwas mehr als 60 Prozent der Fall (Hentschel 2009, 169f)[9].

 

Als Fazit lässt sich die Analyse des Lehnwortmaterials mit deutscher Etymologie in der polnischen Standard- oder Schriftsprache wie folgt zusammenfassen: Hinsichtlich der Extensität der Lehnkontakte, die am Kriterium der Zahl der Neuentlehnungen gemessen wurde, ist die Spätphase, die Zeit nach den sog. Polnischen Teilungen am Ende des 18. Jahrhunderts bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts, sicher die bedeutendste. Die Frühphase (bis 1620) erreicht hier nur etwas mehr als die Hälfte des Ausmaßes an Neuentlehnungen, und die mittlere Phase von 1621 bis 1780 gar weniger als ein Drittel des Wertes der Spätphase. Der zweite quantitative Parameter, die Intensität, zeigt allerdings ein anderes Bild: Während, erstens, mehr als die Hälfte der Neuentlehnungen der Spätphase zu den “schlecht” belegten (gemäß obiger Definition) gehören, überwiegen in der mittleren und noch extremer in der Frühphase die “besser” belegten sehr deutlich gegenüber den “schlecht” belegten (Graphik 5). Berücksichtigen wir nur die “besser” belegten Lehnwörter, so steht die Frühphase der Spätphase quantitativ-extensiv nicht nach, während die mittlere Phase weiter deutlich schwächer ausgeprägt ist. Die mittlere Phase ist mit der Spätphase dahingehend zu vergleichen, dass beide Phasen eine relativ hohe Rate von Ausgängen (Schwünden) von deutschen Lehnwörtern aus dem “aktiven” Wortschatz des Polnischen verzeichnen, die mittlere Phase jedoch nicht so stark wie die Spätphase. Dies korreliert möglicherweise mit allgemeinen, nicht lehnwortspezifischen Entwicklungen im Polnischen, was hier nicht hinterfragt werden kann. Klar ist jedoch, dass die Intensität der Lehnkontakte in der Frühphase und mit gewissen Abstrichen in der mittleren Phase wesentlich stärker ausgeprägt ist als in der Spätphase. Dies korreliert mit soziolinguistischen Hintergründen: Während in Früh- und – weniger umfangreich – mittlerer Phase der Sprachkontakt nicht zuletzt von sich ins Polnische integrierenden deutschsprachigen Immigranten getragen wurde, war die Spätphase geprägt durch den Kontakt der autochthonen Sprache Polnisch mit der Sprache von zwei Besatzerstaaten.

Insgesamt kann die Frühphase als eine Periode von mittlerer Extensität und hoher Intensität beschrieben werden, die mittlere Phase als Periode von schwacher Extensität und relativ hoher Intensität und schließlich die Spätphase als Periode von sehr hoher Extensität, jedoch schwacher Intensität. Dies zieht nach sich, dass der aktive, hochsprachliche polnische Wortschatz der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer noch etwas stärker von der Frühphase geprägt wird als von der Spätphase, mit relativ schwacher Bedeutung der mittleren Phase.

Eine noch offene interessante Frage ist diejenige, wie sich die Lehnkontakte zwischen dem Deutschen und dem Polnischen nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt haben. Die Antwort muss weiteren Untersuchungen überlassen bleiben. Das WDLP, das hier in elektronischer Form vorgelegt wird, erlaubt es, lexikographische Beschreibungen solcher jüngeren Entlehnungen aufzunehmen. Als elektronisches Wörterbuch kann und soll das WDLP zukünftig eine regelmäßige Aktualisierung erfahren.

 

Literatur

Bańkowski, Andrzej (2000): Etymologiczny słownik języka polskiego. Tom 1: A-K, Tom 2: L-P. Warszawa: Wydawnictwo naukowe PWN

Basaj, Mieczysław & Janusz Siatkowski (2006): Bohemizmy w języku polskim. Warszawa: Uniwersytet Warszawski

Borejszo, Maria (2007): Zapożyczenia włoskie we współczesnej polszczyźnie. Poznań: Wydawnictwo naukowe UAM

Boryś, Wiesław (2005): Słownik etymologiczny języka polskiego. Kraków: Wydawnictwo literackie

Brückner, Aleksander (1927): Słownik etymologiczny języka polskiego. Kraków: Krakowska spółka wydawnicza [Nachdruck: Warszawa 1957]

Buttler, Danuta (1988): Zmienność formalna i znaczeniowa dziewiętnastowiecznych zapożyczeń niemieckich w polszczyźnie. In: Przegląd humanistyczny XXXII/1-2, 51-67

Czarnecki, Tomasz (2001): Tausend Jahre deutsch-polnische Sprachkontakte. Probleme mit der Chronologie der deutschen Lehnwörter im Polnischen. In: Grucza (2001), 290-299

Eggers, Eckard & Gerd Hentschel (1987): Lehnwort – Sprach­kontakt – Etymologie. In: Hentschel, Gerd & Gustav Ineichen & Alek Pohl (Hrgg.): Sprach- und Kulturkontakte im Polnischen. München: Otto Sagner

Grucza, Franciszek (Hrg.) (2001): 1000 Jahre polnisch-deutscher Beziehungen. Sprache-Literatur-Kultur. Materialien des Millennium­kongresses, 5.-8. April 2000, Warszawa. Warszawa: Graf-Punkt

Hentschel, Gerd (1995): Zur “Seuche” des deutschen Lehnworts im Polnischen und zu den “Selbstheilungskräften” dagegen. In: Bochnakowa, Anna & Stanisław Widłak (Hrgg.): Munus Amicitiae – Studia linguistica in honorem Witoldi Mańczak septuagenarii. Kraków: Uniwersytet Jagielloński, 69-78

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[1] Eine umfassende Übersicht über weitere Literatur zum deutsch-polnischen Sprachkontakt bietet der Aufsatz von Nowowiejski (2008).

[2] In der slawistischen Sprachwissenschaft ist der Terminus “Literatursprache” in Anlehnung an die Vertreter der Prager Schule geläufiger.

[3] Zu den Kürzeln vgl. im Einzelnen die Angaben im Quellenverzeichnis.

[4] Die monographische Abhandlung von Karszniewicz-Mazur (1988) umfasst hingegen nur die heute noch gebräuchlichen Entlehnungen aus dem Deutschen.

[5] Eggers & Hentschel (1987) liefern auch eine ausführliche Diskussion dazu, wie widersprüchlich die Herkunftsangaben in der Lexikographie ausfallen.

[6] Natürlich gibt es (i. w. S.) frühere deutsche Lehnwörter im Polnischen (vgl. Karszniewicz-Mazur 1988, 29ff; Czarnecki 2001 mit weiterer Literatur): Erstens ahd. Lehnwörter im Allgemeinslavischen, zweitens ahd. Lehnwörter im Allgemeinwestslavischen und drittens – als für das WDLP einschlägige Kategorie – Lehnwörter, die zwischen der Wende vom ersten zum zweiten Jahrtausend n. Chr. und dem 13. / 14. Jahrhundert entlehnt wurden, in einer Zeit also, in der es schon sinnvoll ist, von einer “Einzelsprache” Polnisch auszugehen. Während die beiden erstgenannten Gruppen hier zielgemäß gänzlich unberücksichtigt bleiben, datieren wir die dritte Gruppe jeweils nach ihrem ersten Auftreten in polnischen Schriftdenkmälern, welche in nennenswerter Dichte jedoch erst ab dem ausgehenden 14. Jahrhundert einsetzen.

[7] In den Dialekten oder auch in Fachsprachen, die hier wie gesagt nicht Gegenstand der Betrachtung sind, mögen die Dinge anders aussehen. Hier halten sich Neuentlehnungen des 19. Jahrhunderts offensichtlich länger als in der Hochsprache.

[8] Da einige der behandelten Lemmata polysem sind, geraten in Einzelfällen auch solche Bedeutungseinheiten in die Diskussion, die den genannten zeitlichen Rahmen etwas überschreiten. Bei der numerischen Auswertung fällt dies jedoch nicht ins Gewicht. Auch aufgrund der semantischen Ähnlichkeitsverhältnisse ist eine Ausgliederung dieser polysemen Strukturen nicht angezeigt.

[9] In der Phase (C) wurden dabei nur diejenigen Entlehnungen berücksichtigt, die bis heute (2009) die 100-Jahre-Grenze überschreiten konnten, mit der vereinfachenden Annahme, dass alle in Dor gebuchten Lehnwörter auch heute noch zum polnischen Wortschatz gehören.

[10] Die noch nicht publizierten Bereiche dieses Wörterbuchs konnten für das WDLP in der entsprechenden Wörterbuchkartei ausgewertet werden.

[11] Die noch nicht publizierten Bereiche dieses Wörterbuchs konnten für das WDLP in der entsprechenden Wörterbuchkartei ausgewertet werden.


Stand: 09.09.2010