Einleitung: Die optimale Versorgung eines Leistenhernienrezidives nach laparoendoskopischer Hernioplastik wird in den Leitlinien unterschiedlich bewertet und ist nicht ausreichend wissenschaftlich belegt. Prinzipiell wird die Anwendung eines komplementären Verfahrens konsentiert. Allerdings kann in erfahrenen Händen eine erneute laparoendoskopische Vorgehensweise gewählt werden. Das primäre Ziel der Studie war es, die leitlinienkonforme offene mit der erneuten laparoendoskopischen Behandlung eines Leistenhernienrezidives nach laparoendoskopischer Primäroperation im Hinblick auf Morbidität und Lebensqualität zu vergleichen. Methodik: Es wurden alle volljährigen Patienten in die Studie eingeschlossen, die als Rezidivoperation eine ReTEP oder Lichtenstein-OP nach einer initialen TEP oder TAPP erhalten haben. Zur Evaluation des Ziels wurde eine retrospektive Analyse der intra- und postoperativen Komplikationen erfasst. Zusätzlich wurden die Rate eines erneuten Leistenhernienrezidivs (klinisch und sonografisch) und die Lebensqualität anhand des CCS- und COMI Hernia-Scales erfasst. Ergebnisse: Vom Januar 2012 bis März 2020 wurden in der Universitätsklinik für Viszeralchirurgie des Pius-Hospital Oldenburg 48 ReTEPs und 45 komplementäre Lichtenstein-Hernioplastiken beim ersten Leistenhernienrezidiv nach laparoendoskopischem Primäreingriff durchgeführt. Die beiden Patientengruppen waren bezüglich des Alters, BMI und des perioperativen Risikoprofils vergleichbar. Die Konversionsrate der TEP auf ein offenes Verfahren lag bei 27,3% und zeigte keine Abhängigkeit von der Expertise des Operateurs. Es konnten keine statistisch signifikanten Unterschiede in der Häufigkeit und dem Schwergrad der Komplikationen zwischen der ReTEP- und der Lichtenstein-Gruppe nachgewiesen werden. Bei der Erfassung der Lebensqualität mit CCS war das komplementäre offene Verfahren dem ReTEP-Verfahren in den Kategorien „Fremdkörpergefühl“ und „Schmerz“ signifikant überlegen und es wurden häufiger erneute Rezidivhernie nach einer ReTEP registriert. Schlussfolgerung: Die Ergebnisse dieser Studie unterstützen die Expertenmeinung der HerniaSurge-Gruppe zum komplementären Verfahrenswechsel bei Versorgung eines Leistenhernienrezidives im Hinblick auf Rezidivrate und Lebensqualität. Nach laparoendoskopischer Primäroperation sollte im Falle eines Leistenhernienrezidives ein komplementäres Verfahren, z.B. die Lichtenstein-Operation angewendet werden.
Introduction: The optimal management of recurrent inguinal hernia after previous endoscopic operation lacks scientific evidence and is differently assessed in guidelines. The complementary procedure is generally recommended, although in experience hands a repeated laparoendoscopic approach might also be considered. Objectives: This study aimed to compare the patient outcomes after repeated endoscopic (ReTEP) and Lichtenstein techniques in treatment of hernia recurrence after initial TAPP or TEP. Methods: The study included all adult patients, who underwent the surgical treatment of the first recurrence after laparoendoscopic procedure. The retrospective analysis of intra- and postoperative morbidity with procedure-related data and prospective assessment of symptoms and quality of life using clinical and ultrasound examination, CCS and COMI Hernia scales were carried out. Results: Between January 2012 and March 2020 the center performed 48 ReTEPs and 45 Lichtenstein hernioplasties for the first recurrence of inguinal hernia after primary endoscopic surgery. Both patient groups were generally comparable in terms of age, BMI and intrinsic perioperative risk factors. The rate of conversion from ReTEP to Lichtenstein procedure was 27,3%, remained consistent and showed no correlation with surgeon’s expertise. There were no statistically significant differences in the frequency and severity of complications between ReTEP and open surgery. The Lichtenstein procedure was significantly superior in the categories “foreign body sensation” and “pain” assessed using the CCS and the second recurrencies were more frequently observed after laparoendoscopic procedure. Conclusion: The findings support the expert suggestion of HerniaSurge group regarding the change of procedure for managing recurrent inguinal hernia following initial endoscopic surgery. In this case the Lichtenstein operation should be considered.