Zahlreiche nationale und internationale Forschungsergebnisse haben darauf aufmerksam gemacht, dass Schulabsentismus von Kindern und Jugendlichen in einem positiven Zusammenhang mit vielfältigen Entwicklungsrisiken von Kindern und Jugendlichen steht, wie z. B. ein geringer Schulerfolg, höhere Prävalenzraten von devianten Verhaltensweisen, psychischen Problemen und Verhaltensauffälligkeiten und Suchtmittelmissbrauch (Alexander et al., 1997; Hallfors et al., 2002; Balfanz et al., 2007; Wagner, 2007; Gottfried, 2010; Balfanz & Byrnes, 2012; Morrissey et al., 2014; Wolf & Kupchik, 2017). Darüber hinaus sind mittel- und langfristige Folgen belegt. So korreliert Schulabsentismus mit vorzeitigen Schulabbrüchen, dem Verlassen der Schule ohne Schulabschluss, einem höheren Risiko von Arbeitslosigkeit und prekären Lebenslagen (Cattan et al., 2017; Ansari & Purtell, 2018). Auch in Deutschland hat das Thema Schulabsentismus in den letzten beiden Jahrzehnten eine zunehmende Aufmerksamkeit erfahren. Standen zunächst Faktoren der kindlichen und jugendlichen Persönlichkeit sowie schulische Einflüsse im Fokus, wurde im Verlauf vermehrt dem familialen Kontext als möglicher Prädiktor für Schulabsentismus mehr Beachtung geschenkt (s. Wagner et al., 2004; Wagner, 2007; Dunkake, 2010; Ricking & Speck, 2018). Das Ziel des vorliegenden Beitrags liegt darin, aus einer familiensoziologischen Perspektive die bisherige empirische Forschung zu den familienbezogenen Erklärungsfaktoren aufzuarbeiten, um weiterführende Forschungsfragen und -ansätze aufzuzeigen. Hierbei soll ein besonderer Fokus auf Familien und Kindern mit sonderpädagogischen Förderbedarfen gelegt werden, da hier besonders hohe Prävalenzraten von Schulabsentismus vorliegen (Lereya et al., 2022).
Interdisziplinäre Kooperation und Schulabsentismus Wiesbaden : Springer VS, 2025 (2025), Seite 59-79 1 Online-Ressource (XIII, 281 Seiten)
Ziel des vorliegenden Beitrages ist es, anhand der PISA-Daten von 2022 aktuelle empirische Befunde zum Schulabsentismus von Schüler:innen vorzustellen. Bezugnehmend auf den humanökologischen Ansatz soll anhand der vorliegenden Querschnittsdaten von 2022 die Frage beantwortet werden, welche proximalen Prozesse und welche Kontextvariablen mit dem Schulabsentismus korrelieren. Ein Vergleich der Absentismuszahlen zwischen 2012 und 2022 verdeutlicht, dass sich das Absentismusverhalten fünfzehnjähriger Schüler:innen in den letzten 10 Jahren verstärkt hat. Logistische Regressionen bestätigen, dass proximale Prozesse wie die familiale Unterstützung, die Lehrkraft-Schüler-Beziehung und Bullying-Erfahrungen in der Schule sich als signifikante Prädiktoren des Schulabsentismus erweisen. Aber auch Informationen zu persönlichen Merkmalen (Stressresistenz, emotionale Kontrolle, Empathie, Bildungsaspirationen, schulisches Selbstkonzept) als auch Merkmale aus den Mikrokontexten (wie Familie, Schule und Erwerbstätigkeit) sowie dem Makrokontext (sozioökonomischer und soziokultureller Status) korrelieren signifikant mit dem Schulabsentismus.
The aim of this paper is to use the PISA data from 2022 to present current empirical findings on school absenteeism. Using a human ecology approach, cross-sectional data from 2022 will be analyzed to explore which proximal processes and contextual variables are correlated with school absenteeism. A comparison of the absenteeism rates between 2012 and 2022 shows that absenteeism among fifteen-year-old students has increased over the past decade. Logistic regressions confirm that proximal processes, such as family support, the teacher-student relationships and experiences of bullying at school are significant predictors of school absenteeism. Additionally, personal characteristics (e.g. stress resilience, emotional control, empathy, educational aspirations, academic self-concept) as well as factors from micro-contexts (such as family, school and employment) and the macro-context (socio-economic and socio-cultural status), also show significant correlations with absenteeism.
Zeitschrift für Erziehungswissenschaft Berlin : Springer, 2000 28(2025), 3, Seite 781-804 Online-Ressource
The systematic review set out in this protocol aims to identify factors influencing school absenteeism among children and young people with disabilities. The focus is on individual, family, and school-related factors that contribute to absenteeism. The analysis will be based on a qualitative synthesis of the extracted data and findings from the included empirical studies. To achieve this, the review will incorporate qualitative, quantitative, and mixed-methods studies.
Campbell Collaboration Campbell Systematic Reviews Oslo : [Verlag nicht ermittelbar], 2004 21(2025), 1, Artikel-ID e70033 Online-Ressource
In diesem Arbeitspapier werden als Grundlage für das Projekt participateuol an der Universität Oldenburg verschiedene Perspektiven auf den Begriff Partizipation diskutiert, um den Begriff dann für universitäre Lern-/Lehrprozesse mit einem Fokus auf Sprache, studentische Lebenswelten und Digitalisierung zu definieren. Dabei wird die Bedeutung von Sprache und Lebenswelt für die Förderung von Partizipation in Lehr-/Lernprozessen verdeutlich und es werden erste Überlegungen zu möglichen Forschungsfragen und zur Erprobung digitaler Formate im Rahmen des Projekts angestellt.
Angesichts des vielfach diagnostizierten und zunehmenden Zusammenhangs zwischen der familialen Herkunft und dem Schulerfolg von Kindern stellt sich die Frage, ob auch der Zusammenhang zwischen Schulabsentismus und der sozialen Herkunft sich verändert hat. Die Forschungsnotiz greift mit Bezug auf die Kapital-Theorie von James Coleman diese Frage auf und analysiert anhand der PISA-Daten (von 2012, 2015, 2018, 2022), ob sich der Einfluss der sozialen Herkunft auf das Absentismusverhalten in den letzten zehn Jahren verändert hat. Die empirischen Analysen verweisen dabei auf zwei Aspekte: 1) Schulabsentismus hat zwischen den Jahren 2012 und 2022 deutlich zugenommen. 2) Für das Jahr 2022 zeigt sich zum ersten Mal ein signifikant negativer Zusammenhang zwischen dem familialen Hintergrund und dem Risiko von Schulabsentismus - trotz Kontrolle weiterer zentraler Variablen. Damit setzt sich der Trend fort, dass die soziale Herkunft eine zunehmende Rolle für den Bildungsverlauf und Schulerfolg der Heranwachsenden spielt. Darüber hinaus deuten die Daten auf eine Veränderung des Einflusses nach der COVID-19-Pandemie hin.
In view of the frequently diagnosed and increasing correlation between family background and children’s success at school, the question arises as to whether the correlation between truancy and social background has also increased. The research note takes up this question with reference to James Coleman’s capital theory and uses the PISA data (from 2012, 2015, 2018, and 2022) to analyse whether the influence of social background on truancy behaviour has changed over the last 10 years. The empirical analyses point to two things: (1) Absenteeism has increased significantly between 2012 and 2022, and (2) for the year 2022, a significant negative correlation between family background and the risk of truancy was found for the first time-despite other key variables having been controlled for. This continues the trend of social background playing an increasing role in the educational trajectory and school success of adolescents. Furthermore, the data indicate a change in influence after the COVID-19 pandemic.
Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie Berlin : Springer, 2000 77(2025), Seite 247-269 Online-Ressource