Verlagsinfo: "Unser Leben findet in Gesellschaft von Dingen auf der Bühne des Alltags in einem sichtbaren und unsichtbaren Geflecht von Beziehungen statt. Wer agiert hier mit wem oder gegen wen? Gegenstand des Buchs sind die Dinge und ihre postmodernen Derivate, wie sie uns gegenüberstehen und wie wir ihnen begegnen. ..."
Dieses Buch gehört zu den interessantesten und klügsten Veröffentlichungen zum Thema Design der letzten Zeit. Es ist nicht einfach eine neue Geschichte des Alltagsdesigns, es bemüht sich vielmehr um eine kritische Würdigung, eine intelligente Analyse, eine historische Einordnung. Der Autor hat knapp 20 Designklassiker ausgewählt, denen er jeweils einen Essay widmet - vom Thonet-Stuhl bis zum Teddybären, von der Resopalplatte bis zur Bauhauslampe. Dabei wird schnell deutlich, dass gutes Design nicht ausschließlich eine Frage der Formgebung ist, sondern auch ein gesellschaftliches Statement zur jeweiligen Zeit. Der Essay über Marcel Breuers Wassilly-Chair macht aus der Ikone ein "Solo-Übungsgerät für das fantasierte Individuum der Technomoderne", bei dem es nicht um Sitzkomfort, sondern um Geisteshaltung geht. Wer Design nicht als schönen Schein begreift, findet hier eine angemessene Lektüre. Auch für kleinere Bestände überall zu empfehlen. (1)
Gert Selle hat seine klassische Technik- und Kulturgeschichte des Design fortgeschrieben: Sie reicht nun von der Industrialisierung bis zu den heutigen Produktkulturen im Zeichen der Digitalisierung. In Selles Designgeschichte geht es nicht nur um den Vergleich ästhetischer Stile, sondern um das, was sich hinter den schön geformten Objekten verbirgt: die Geschichte ihrer Entstehung, Entwurfsstrategien und Produktionsbedingungen und den Gebrauch durch die Konsumenten. Das Spektrum reicht vom Klassizismus bis zur Großindustrie um 1900, vom Bauhaus bis zum Ulmer Funktionalismus der 50er und 60er Jahre und der Warenästhetik im geteilten Deutschland. Darüber hinaus wird der Übergang zu einer immateriellen Produktkultur im Zeitalter der Mikroelektronik in den Blick genommen. Selle präsentiert einen neuen Designbegriff, der auch das αunsichtbare, innere Design± mit einschließt, das sich etwa in der Software unserer PCs, Autos und Handys verbirgt.
Ganz ohne Motto komme ich nicht aus: Karl Kraus – der Wiener »Fackel«-Kraus – schreibt um 1908: »Der Künstler entdeckt, was nicht gebraucht wird. Er bringt das Neue.« Und: »Der Künstler ist nur einer, der aus der Lösung ein Rätsel machen kann.« (Kraus 1986, 335, 338) Was ist demnach ein Kunstpädagoge? Auch Einer, der betreibt, was nicht gebraucht wird? Einer, der Neues bringt? Einer, der aus Lösungen Rätsel macht? Damit macht er sich nur unbeliebt. Immerhin hat Karl Kraus auch festgestellt, dass es die Bescheidwissenschaft ist, die den ersten Platz in der deutschen Bildungslandschaft einnimmt. Zu den Bescheidwissenden habe ich nie gehört. Trotzdem halte ich Ihnen einen Vortrag. Didaktisches Denken entsteht unter dem Druck kultureller Entwicklungen, die seine Bewegungsfreiheit und sein Selbstverständnis einschränken. Es reflektiert selten die verdeckten eigenen Abhängigkeiten. Es kommt fast immer zu spät, was seine Einwirkungsmöglichkeiten auf den Prozess der Kultur betrifft. Und heute steht es auch noch vor dem Problem eines Bruchs mit Traditionen, der seine lineare Fortsetzung unwahrscheinlich macht. Darüber unter anderem möchte ich sprechen.