Am 30. Januar übernahmen in Deutschland die Nationalsozialisten die Macht. In Dänemark wurde am selben Tag ein wegweisendes Abkommen geschlossen, das den Aufbau eines modernen Sozialstaates ermöglichte. Es gab also zwei Wege durch die krisenhafte "heroische Moderne". Zahlreiche Staaten Europas folgten dem zweiten, friedlichen, konstruktiven Pfad. Allerdings war auch dieser Pfad ambivalent, wie Thomas Etzemüller zeigt. Wer moderne Wohnungen, Kindergärten und Krankenhäuser baute, konnte sich trotzdem mit dem "Dritten Reich" arrangieren oder in den skandinavischen Demokratien Sterilisierungen befürworten. Zwar wiederholt sich Geschichte kaum, doch stehen wir heute wohl an einer ähnlichen Gabelung, an der wir uns politisch entscheiden müssen.
HISTORY / General; BUSINESS & ECONOMICS / Economic History; HISTORY / Europe / Germany; HISTORY / Europe / General; Heroische Moderne; Heroic Modern; 20. Jahrhundert; 20th Century; Demokratie; Democracy; Open Access
War die Geschichte der »heroischen Moderne« im 20. Jahrhundert bloß eine des »Höllensturzes« und der »Bloodlands« oder auch eine der erfolgreichen Demokratien und Sozialstaaten? Und wer waren die Heroen dieser Moderne – Dezisionisten, die disruptiv eine neue Welt erzwingen wollten, oder Sozialingenieure, die soziale Gemeinschaft von unten aufbauten? Thomas Etzemüller beschreibt Versuche, in einer wirren, unsicheren Epoche Ordnung zu schaffen, und analysiert dazu konstruktive Experten, die diagnostizierten und justierten, statt mit großer Geste abzuräumen. Dabei zeigt er: Ihr Wirken war zutiefst ambivalent, denn Gemeinschaft durch Inklusion bedeutete auch den Ausschluss »untauglicher« Menschen.
Wie kommt das Neue in die Welt? 1st ed. 2023. Berlin, Heidelberg : Springer Berlin Heidelberg, 2023 (2023), Seite 213-228 1 Online-Ressource(X, 289 S. 13 Abb., 7 Abb. in Farbe.)